Antiöstrogene

Die Zellteilung von hormonrezeptorpositven Tumoren wird durch die Bindung von Östrogen an Östrogen-Rezeptoren ausgelöst, die im Zellkern der Tumorzellen sitzen. Antiöstrogene sind Wirkstoffe, die sich in Konkurrenz zum Östrogen an diese Rezeptoren binden und dadurch den Zellteilungsprozess der Tumorzellen verhindern. Man unterscheidet zwischen nicht-steroidalen Antiöstrogenen und steroidalen Antiöstrogenen.

Nicht-steroidale Antiöstrogene
Nicht-steroidale Antiöstrogene zeichnen sich dadurch aus, dass sie nur in bestimmten Zellen eine antöstrogene Wirkung entfalten, während sie in anderen Zellen vergleichbar wirken wie natürliches Östrogen. Brustkrebszellen gehören zu denjenigen Zellen in denen sie Ihre antiöstrogene Wirkung entfalten.
Aufgrund der spezifischen Struktur der nicht-sterioidalen Antiöstrogene inaktivieren diese an den besetzten Östrogen-Rezeptoren die Bindungsstellen mit denen die Rezeptoren auf der DNA der Brustkrebszellen den Zellteilungsprozess in Gang setzen. Dadurch unterbleibt die Zellteilung.

Der meistverwendete Wirkstoff unter den Antiöstrogenen ist Tamoxifen. Er wurde bereits 1973 unter dem Produktnamen Nolvadex® in Großbritannien zur Behandlung des metastasierten Brustkrebs zugelassen. Die Zulassung für die adjuvante Therapie folgte und Tamoxifen war für viele Jahre der "Goldstandard" in der Behandlung von hormonempfindlichem Brustkrebs.

Tamoxifen + Chemotherapie
Mehrere Studien ergaben, dass es unter der Kombination von Tamoxifen mit Chemotherapie seltener zu einem Wiederauftreten der Krankheit kam als unter Tamoxifen allein. In der NSABP-B20-Studie profitierten insbesondere Patientinnen, die unter 50 Jahre alt waren von der Kombination. Insgesamt kam es in der Studie, innerhalb eines Beobachtungszeitraumes von 71 Monaten, unter der Kombination um 5-6% seltener zu einem Wiederauftreten der Krankheit. Bei der Kombination mit Chemotherapie müssen Sie jedoch auch mit chemotherapie-typischen Nebenwirkungen rechnen.

Nebenwirkungen von Tamoxifen
Bei den akuten Nebenwirkungen können unter der Tamoxifentherapie am ehesten Hitzewallungen auftreten. Alle anderen Nebenwirkungen treten bei sehr wenigen Patientinnen auf und kommen meist nicht häufiger vor als unter Placebo (einem Scheinmedikament). Hierzu gehören z.B. Übelkeit, Erbrechen, Schlaflosigkeit, Hautveränderungen und Vaginalblutungen.

Bei einer Langzeittherapie macht sich der Einfluss von Tamoxifen auf das Knochengewebe bemerkbar. Hier hat es eigentlich einen östrogenähnlichen Effekt, so dass es bei Frauen nach den Wechseljahren zu einer Zunahme der Knochendichte und damit zu einem verringerten Risiko von Knochenbrüchen kommt. In Langzeitstudien traten bei 1-2% der Frauen Thromboembolien auf. Die Gefährdung thromboembolischer Komplikationen ist jedoch schon durch die Krebserkrankung selbst leicht erhöht.

Eine weitere Nebenwirkung, die durch die teilweise östrogenähnliche Wirkung von Tamoxifen erklärt werden kann, ist das unter Lanzeittherapie leicht erhöhte das Risiko einen Tumor der Gebärmutterschleimhaut zu entwickeln. Experten sind der Meinung, dass dieses leicht erhöhte Risiko insgesamt jedoch durch den Nutzen der Tamoxifentherapie um ein vielfaches aufgewogen wird. Durch regelmäßige sorgfältige Vaginaluntersuchungen kann diesem Risiko begegnet werden.

Sollte Ihr Arzt bei Ihnen ein deutlich erhöhten Risikos für Thromboembolien oder für Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut bei Tamoxifentherapie feststellen, so können Sie sich alternativ für eine Therapie mit einem Aromatasehemmer entscheiden. Bei Aromatsehemmern sind diese Risiken und Nebenwirkungen deutlich geringer. Allerdings haben sie im Gegensatz zu den Antiöstrogenen keinen positiven Einfluss auf die Knochendichte.

Weitere nicht-steroidale Antiöstrogene
Inzwischen ist ein weiteres nicht-sterioidale Antiöstrogen zugelassen. Toremifen (Handelsname Fareston ®) unterscheidet sich bezüglich Struktur, Wirksamkeit und Nebenwirkungen kaum von Tamoxifen. Allerding gibt es noch keine Daten? zu den langfristigen Auswirkungen auf die Knochendichte, die Blutfettwerteund die Gebärmutterschleimhaut.
Bisher hat Fareston® nur eine Zulassung zur Behandlung von Frauen nach den Wechseljahren mit metastasiertem Brustkrebs.

Steroidale Antiöstrogene
Seit März 2004 ist auch in Deutschland das erste reine steroidale Antiöstrogen Fulvestrant unter dem Handelsnamen Faslodex® zugelassen. Zur Zeit beschränkt sich die Zulassung noch auf die Behandlung von Frauen nach den Wechseljahren mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem Brustkrebs, nachdem die Therapie mit einem nicht-steroidalen Antiöstrogen nicht mehr wirkt.

Das steroidales Antiöstrogen Fulvestrant, bindet genau wie seine nicht-steroidalen Verwandten, im Zellkern der Brustkrebszellen an die Östrogenrezeptoren. Es hat eine bis zu 100fach höhere Bindungsneigung zum Rezeptor als natürliches Östrogen. Im Gegensatz zu den nicht-steroidalen Antiöstrogenen besitzt es keinerlei östrogenähnliche Wirkung.
Durch die starke Bindung von Fulvestrant an den Östrogenrezeptor wird dieser darüber hinaus zerstört. Die Anzahl der Östrogenrezeptoren in den Zellen nimmt daraufhin ab. Der Wachstumsmotor der Krebszellen wird also vernichtet.

In Phase-III-Studien wurde Fulvestrant gegenüber einem Aromatasehemmer bei der Behandlung von postmenopausalen Frauen getestet, deren metastasierter Brustkrebs eine Resistenz gegen nicht-steroidale Antiöstrogene, wie z.B. Tamoxifen, entwickelt hatte. Dabei zeigte sich, dass Fulvestrant mindestens so gut wirksam ist wie der Aromatasehemmer, gleichzeitig mehr Patientinnen auf die Therapie mit Fulvestrant angesprochen haben und auch die Dauer des Ansprechens war länger als unter dem Aromatasehemmer. Daraus kann geschlossen werden, dass keine Kreuzresistenzen zwischen Tamoxifen und Fulvestrant besteht. Fulvestrant wirkt also auch noch nachdem der Tumor bereits eine Resistenz gegen Tamoxifen entwickelt hat.

In einer Studie von Steger et al., die auf dem ASCO 2003, dem weltweit größten Krebskongress, vorgestellt wurde, war Fulvestrant auch noch als dritte anti-hormonelle Therapie im metastasierten Stadium wirksam, nachdem es bereits unter Tamoxifen als auch unter einem Aromatasehemmer zu einer Verschlechterung der Krankheit gekommen war.
Die Notwendigkeit eine Chemotherapie einzusetzen kann deshalb beim metastasierten hormonempfindlichen Brustkrebs mit Fulvestrant weiter hinausgezögert werden.

Die Verträglichkeit von Fulvestrant war in den Studien sehr gut. Es traten nur geringe Nebenwirkungen auf. Da es, im Gegensatz zu Tamoxifen, in allen Zellen eine antiöstrogene Wirkung hat, besteht unter seiner Anwendung auch keine erhöhte Gefahr einen Tumor der Gebärmutterschleimhaut zu entwickeln.