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Aromatase-Hemmer
Wirkprinzip
Die Hemmung des Östrogeneinflusses auf die Mammakarzinomzelle ist das
Grundprinzip der Hormontherapie dieser Krebsart. Östrogene entstehen
durch Umwandlung steroidaler Vorstufen mithilfe des Enzyms Aromatase. Dieser
Umwandlungsprozess findet bei prämenopausalen Frauen vorwiegend in
den Eierstöcken (Ovarien) statt. Aber auch im Körper von Frauen,
die ihre Wechseljahre schon hinter sich haben oder von Frauen deren ovarielle
Östrogenproduktion unterdrückt wird, wird noch in geringerem Umfang
Östrogen hergestellt. Östrogenvorstufen werden noch von der Nebenniere
produziert und dann mithilfe der Aromatase im Muskel- und Fettgewebe in
Östrogen umgewandelt. Diese extraovarielle Östrogensynthese wird
durch Aromatasehemmer effektiv unterdrückt.
Aromatasehemmer binden an die Aromatase und blockieren sie dadurch. So kann
aus den steroidalen Vorstufen, den sogenannten Androgenen, kein Östrogen
mehr hergestellt werden.
Inzwischen sind Aromatasehemmer der 3. Generation
auf dem Markt. Im Gegensatz zu ihren Vorgängern sind sie hoch selektiv,
das heißt, sie verhindern ausschließlich die Produktion von Östrogen.
Ihre Vorgänger haben z.B. auch die Produktion von Aldosteron, das
an der Regelung von Kalium-Natrium-Haushalt und Flüssigkeitshaushalt
beteiligt ist und die Produktion des sogenannten Stresshormons Kortisol
verhindert.
Durch die hohe Selektivität haben die neuen Aromatasehemmer relativ
geringe Nebenwirkungen bei gleichzeitig sehr hoher Effektivität.
Es werden Absenkungen des Östrogenspiegels um teilweise über
95% erreicht. Durch den Östrogenentzug
kommt es zu einem Wachstumsstillstand der hormonabhängigen Krebszellen.
Aromatasehemmer stellen somit eine Weiterentwicklung der Antiöstrogene
dar, weil sie bereits die Bildung des Östrogens verhindern, also
früher als die Antiöstrogene eingreifen.Sie sind auch nach
der Therapie mit Antiöstrogenen noch wirksam.
Bisher ist Anastrozol, als einziger Aromatasehemmer
für die adjuvante Brustkrebstherapie, also die Therapie im nicht-metastasierten
Stadium zugelassen.
Bei den übrigen Aromatasehemmern beschränkt sich die Zulassung
auf die Therapie im metastasierten Stadium, die sogenannte palliative
Therapie.
Für dieses Stadium zeigten bereits viele Studien eine Überlegenheit
von Aromatase-hemmern gegenüber Megestrolacetat, der bisherigen Standardtherapie
nach Tamoxifen-versagen, und auch gegenüber Tamoxifen selbst.
Beim metastasierten Brustkrebs, bei dem meist keine vollständige
Heilung mehr möglich ist, wurden in verschiedenen Studien die Aromatasehemmer
Anastrozol*, Letrozol** und Examestan*** jeweils gegen Tamoxifen getestet.
Dabei war die mittlere Dauer, für die sich die Erkrankung aufhalten
ließ, bei der Behandlung mit den Aromatasehemmern 61-71% länger als
bei der Behandlung mit Tamoxifen.
Inzwischen zeigen erste Studien auch gute Ergebnisse
für Aromatasehemmer in früheren Brustkrebsstadien. In der noch
laufenden ATAC-Studie wird mit über 9000 teilnehmenden Patientinnen
mit Brustkrebs in den frühen Stadien I und II, die Behandlung mit
dem Aromatasehemmer Anastrozol gegenüber der Behandlung mit Tamoxifen
und der Kombination aus beiden Medikamenten verglichen. Nach einem Beobachtungszeitraum
von 47 Monaten traten in der Anastrozol-Gruppe relativ zur Tamoxifen-Gruppe
17% weniger Rezidive auf. Bei eindeutig hormonrezeptorpositiven Patientinnen
waren es sogar 22% weniger.Diese Ergebnisse führten zur Zulassung
von Anastrozol für die adjuvante Therapie. Viele Experten sprechen
schon davon, dass Anastrozol zukünftig als neuer Goldstandard das
altbewährte Tamoxifen in der adjuvanten Therapie des hormonsensitiven
Mammakarzinoms ablösen könnte.
* Budzar A., Nabholtz J.M. et al., Proc ASCO 2000;
19; 609A
** Mouridsen H. et al., J Clin Oncol 2001, 19: 2596-2606
*** Dirix et al., Proc ASCO 2001;20;29A
Nebenwirkungen von
Aromatasehemmern
Aromatasehemmern der 3. Generation haben relativ geringe Nebenwirkungen.
Am häufigsten sind Hitzewallungen. Sie treten bei rund einem Drittel
der Patientinnen auf. Gelegentlich kann es zu Übelkeit oder einem
Dünnerwerden der Haare kommen.
Da Aromatasehemmer in allen Körperteilen die Menge des verfügbaren
Östrogens mindern, kann dies zu Nachteilen an denjenigen Körperteilen
führen, die Östrogen benötigen. Betroffene sind hier insbesondere
die Knochen. Eine Abnahme der Knochendichte und damit zusammenhängende
Gelenkschmerzen sind die einzigen Nebenwirkungen, die bei der Behandlung
mit Aromatasehemmern häufiger auftreten können, als unter Tamoxifen.
Alle anderen Nebenwirkungen traten wesentlich
seltener auf als unter einer Tamoxifentherapie.
Aromatasehemmer haben praktisch keinen Einfluss auf die Gebärmutterschleimhaut.
Daher traten in der ATAC-Studie unter Anastrozol wesentlich weniger Tumore
der Gebärmutterschleimhaut auf als in der Tamoxifen-Gruppe. In der
Anastrozol-Gruppe war nur jede 1000. Patientin davon betroffen, während
es in der Tamoxifen-Gruppe etwa jede 140. Patientin war. Auch Einflüsse
auf das Herz-Kreislaufsystem, Thromoembolien und Vaginalblutungen traten
unter dem Aromatasehemmer nur etwa halb so oft auf wie unter Tamoxifen.
Anastrozol
1995 wurde mit Anastrozol (Handelsname Arimidex®) der erste Aromatasehemmer zu Behandlung von metastasiertem Brustkrebs nach Tamoxifenversagen bei hormonrezeptorpositivem Brustkrebs zugelassen. Die Zulassung für die palliative Erstlinientherapie folgte.
Seit Dezember 2002 ist Anastrozol als bisher einziger Aromatasehemmer für die adjuvante Brustkrebstherapie bei Frauen mit einer Erkrankung in den frühen Stadien I und II zugelassen, die aufgrund eines erhöhten Risikos für Thromboembolien oder Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut nicht, oder nicht mehr, mit Tamoxifen behandelt werden können. Die Zulassung erfolgte aufgrund der Zwischenauswertung der noch laufenden ATAC-Studie an weltweit über 9000 Patientinnen, die auch für diese Stadien eine gute Wirksamkeit bei geringeren Nebenwirkungen gegenüber Tamoxifen unter Beweis stellte.
Darüber hinaus wird derzeit in der Präventionsstudie IBIS-II geprüft, ob eine vorbeugende Anastrozoleinnahme bei Frauen, die ein hohes Risiko haben an Brustkrebs zu erkranken, dieses Risiko reduzieren kann. Für Tamoxifen wurde dies bereits nachgewiesen. Es besteht jedoch die Hoffnung, dass mit Anastrozol dieser Effekt bei geringeren Nebenwirkungen erreichtwerden kann.
Anastrozol wird als Tablette 1 mal täglich eingenommen. In einer solchen Tablette ist 1 mg des Wirkstoffs enthalten.
Letrozol
Der Wirkstoff Letrozol ist unter dem Handelsnamen Femara® zur endokrinen Erstlinientherapie bei metastasiertem, hormonrezeptorpositivem Brustkrebs zugelassen. Er bewies u.a. in der Studie von Mouridsen et al., mit 907 Patientinnen, einen signifikanten Wirksamkeitsvorteil gegenüber Tamoxifen. Dieser Vorteil wurde auch für die neoadjuvante Situation, also vor der Operation, in der Studie von Paepke et al.* untersucht. Durch die präoperative Einnahme von Letrozol konnten anschließend wesentlich mehr Frauen brusterhaltend operiert werden, als dies in der Tamoxifen-Gruppe der Fall war.
Auch Letrozol wird als Tablette 1 mal täglich eingenommen. Der Wirkstoff ist darin mit 2,5 mg dosiert.
* Paepke S. et al., European Breast Cancer Conference , Brussels, 2000, Abstr. 179
Formestan
Formestan (Handelsname Lentaron®) war der erste steroidale Aromatasehemmer. Im Gegensatz zu den nicht steroidalen Aromatasehemmern ist seine Bindung an die Aromatase irreversibel.
Wegen ihres hohen First-Pass-Effektes in der Leber muss die Substanz jedoch parenteral appliziert werden. Die Verabreichung erfolgt dadurch alle 14 Tage in einer Dosierung von 250 mg.
Exemestan
Auch bei Exemestan (Handelsname Aromasin®) handelt es sich um einen steroidalen Aromatasehemmer. Dieser Wirkstoff kann jedoch oral eingenommen werden. Eine Tablette enthält dabei 25 mg des Wirkstoffs.In der Studie von Dirix et al. mit 120 teilnehmenden Patientinnen ergab sich auch für diesen Wirkstoff ein deutlicher Wirksamkeitsvorteil gegenüber Tamoxifen. Er ist bisher zur Behandlung von metastasiertem hormonrezeptorpositivem Brustkrebs nach Tamoxifenversagen zugelassen.
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ATAC-Studie
Die ATAC-Studie vergleicht die adjuvante Therapie mit den Aromatasehemmer Anastrozol mit der Therapie mit Tamoxifen und der kombinierten Therapie mit beiden Präparaten
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Prävention
In der IBIS-II-Studie wird derzeit geprüft, inwieweit Anastrozol bei Frauen mit hohem Risiko an Brustkrebs zu erkranken, das Risiko senken kann.
Mehr dazu unter brustkrebsvorbeugen.de
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