HER2-Antikörper

Der HER2-Rezeptor
Die Abkürzung HER2 steht für „Human Epidermal Growth Factor Receptor vom Typ 2“.
Der HER2-Rezeptor ist ein Protein, das auf den Zellen vieler menschlicher Organe vorkommt. Normalerweise befinden sich zwei dieser Rezeptoren auf der Zellmembran einer Brustzelle. Bei etwa 20-30% aller Frauen mit Brustkrebs ist der HER2-Rezeptor auf den Brustkrebszellen jedoch überexprimiert. D.h. auf der Zelloberfläche befinden sich etwa 10 bis 100 mal so viele dieser Rezeptoren.
Durch das Andocken von Wachstumsfaktor-Molekülen an den HER2-Rezeptor wird ein Signal, das die Zellteilung auslöst, an den Zellkern gesendet. Bei einer Überexprimierung der Rezeptoren wird dieses Signal folglich zu häufig übertragen und es kommt zu einer beschleunigten Tumorzellteilung.

Die HER2-Überexpression geht meist mit einem negativen Hormonrezeptorstatus einher. Eine Hormontherapie ist dann nicht sinnvoll. Es gibt Studien, die darauf hinweisen, dass in diesem Fall eine Resistenz gegenüber Tamoxifen besteht.
Auch eine CMF-Chemotherapie ist bei HER2-Überexpression weniger gut wirksam. Daher werden Chemotherapien die Antrazykline oder Taxane enthalten in dieser Situation bevorzugt.

Der HER2-Antikörper
HER2-Antikörper binden anstelle der Wachstumsfaktormoleküle an den HER2-Rezeptor. Dadurch wird die Übertragung von Wachstumssignalen vom HER2-Rezeptor an den Zellkern gehemmt. Der effektivste dieser Antikörper ist der humanisierte monoklonale Anti-HER2-Antikörper Trastuzumab (Handelsname: Herceptin®). Er bindet selektiv an den HER2-Rezeptor und ummantelt die Krebszelle. Dies hemmt nicht nur die Zellteilung, sondern kann sogar zum Absterben der Krebszelle führen.

Im Gegensatz zur Chemotherapie ist die Therapie mit Herceptin unabhängig vom Zellzyklus, also dem Stadium in dem sich die Zellteilung momentan befindet. Die Wirkung der Chemotherapie kann durch Herceptin® verstärkt werden.

Gegenwärtig ist die alleinige Behandlung mit dem HER2- Antikörper in Deutschland nur für Frauen mit metastasiertem Brustkrebs zugelassen, die bereits zwei Chemotherapien mit einem Antrazyklin und einem Taxan erhalten haben. Ausnahmen können in diesem Stadium gemacht werden, wenn die Chemotherapeutika nicht vertragen werden.
In Kombination mit dem Taxan Paclitaxel (Handelsname Taxol®) darf die Behandlung auch ohne vorherige Chemotherapie erfolgen, wenn Antrazykline ungeeignet sind.

Für Patientinnen, die noch keine Metastasen aufweisen, sollte die Anwendung, laut dem Expertenkomitee der St. Gallen Konsensuskonferenz, nur im Rahmen klinischer Studien durchgeführt werden. Die Wirksamkeit von Herceptin als Monotherapie in frühen Brustkrebsstadien wird derzeit in der HERA-Studie bei Patientinnen, die zuvor mindestens 3 Monate oder 4 Zyklen Chemotherapie erhalten haben, untersucht. Eine weitere Studie untersucht die Kombination von Herceptin mit verschiedenen Zytostatika.

Wie testet man, ob Ihr Tumor HER2 überexprimiert?
Die Voraussetzung um vorherzusagen, ob Sie auf eine Behandlung mit Herceptin ansprechen, ist der Nachweis einer Überexpression des HER2-Rezeptors auf Ihren Tumorzellen. Dafür stehen zwei standardisierte Testmethoden zur Verfügung: Der DAKO HercepTest® und die FISH-Analyse.

Der DAKO HercepTest® misst, durch Einfärbung von bei der Operation entferntem Tumorgewebe, direkt die Stärke der Überexprimierung des HER2-Rezeptors. Das Testergebnis, der sogenannte DAKO-Score, wird in Werten zwischen 0 und 3+ angegeben. Eine Herceptin Therapie kommt dann für Sie in Frage, wenn das Testergebnis des DAKO HercepTests 2+ oder 3+ beträgt. Das Ergebnis 3+ ist ein eindeutig positives Ergebnis und bedeutet, dass mehr als 10% der Tumorzellen komplett und stark angefärbt wurden. Ein Ergebnis von 2+ wird auch als „fraglich positiv“ bezeichnet. Es bedeutet, dass mehr als 10% der Zellen komplett, aber nur schwach bis mäßig stark angefärbt sind. Ist Ihr Ergebnis 2+, so muss zur Absicherung zusätzlich eine FISH-Analyse durchgeführt werden.

Die FISH-Analyse ist ebenfalls ein Färbetest. Im Gegensatz zum DAKO-Test wird bei ihr nicht die Anzahl der Rezeptoren, sondern die Menge der HER2-Gene im Zellkern bestimmt. Das Ergebnis dieser Analyse ist positiv, wenn pro Zelle mehr als 10 HER2-Gene vorhanden sind.
Der FISH-Test ist auch noch bei fixiertem und eingebetettem Gewebe sehr zuverlässig. Das Verfahren ist jedoch sehr aufwendig und kann deshalb nur in wenigen, spezialisierten Kliniken durchgeführt werden.

Nebenwirkungen
Unter der Anwendung von Herceptin besteht ein erhöhtes Risiko für eine Herzinsuffizienz. Wenn zuvor bereits eine antrazyklinhaltige Therapie durchgeführt wurde, erhöht sich das Risiko weiter. Daher ist eine kardiologische Überwachung während der Therapie unbedingt erforderlich. Bei manchen Patientinnen wurden Toxizitäten in der Leber beobachtet.
Unter der Monotherapie mit Herceptin trat Durchfall bei etwa einem Viertel der Patientinnen auf. Die erste Infusion des HER2-Antikörpers führt häufig zu leichtem Schüttelfrost oder Fieber. Bei den folgenden Infusionen wurden solche Nebenwirkungen aber nur noch selten beobachtet.