Neoadjuvante Therapie

Neoadjuvante Chemotherapie
Die präoperative (neoadjuvante) Chemotherapie war ursprünglich bei Patientinnen mit inoperablen und inflammatorischen Karzinomen eingesetzt worden, um eine Tumorverkleinerung zu erzielen und eine Operation mit primärem Wundverschluss zu erreichen. Mit der Entwicklung der brusterhaltenden Chirurgie wurde auch der Stellenwert der neoadjuvanten Chemotherapie bei operablen Mammakarzinomen überprüft. Das Ziel war es, durch eine der chirurgischen Behandlung vorangestellte Chemotherapie die Rate an brusterhaltenden Operationen zu erhöhen.

Eine neoadjuvante Chemotherapie kommt also für bestimmte Frauen in Frage, die sonst nicht brusterhaltend operiert werden können. Die "Mailänder Studien" (Veronesi U., Banadonna G. et al. Annals of Surgery 1995; 222:612-18) zeigten, dass durch eine präoperative Chemotherapie mehr Frauen brusterhaltend operiert werden konnten als bei einer konventionellen Behandlung, die mit chirurgischer Therapie begann.

Die Vorteile der neoadjuvanten Chemotherapie sind:
Es werden auch potentielle Mikrometastasen mitbehandelt.
Man kann die Wirkung der Chemotherapie auf das Tumorgewebe nach der folgenden Operation überprüfen und dadurch besser voraussagen, inwieweit sich die Prognose durch eine adjuvante (nach der Operation) Chemotherapie verbessert, oder ob eine andere adjuvante Therapie angewendet werden sollte (z.B. Hormontherapie)

Nachteile der neoadjuvanten Chemotherapie:
Das Verhalten des Tumors auf die Therapie ist nicht vorhersagbar und manche Tumoren reagieren nicht mit einer homogenen Verkleinerung des Tumorgewebes, sondern mit einem Ausdünnen, so dass viele kleine Tumorinseln innerhalb des Bereichs des ehemaligen Tumors zurückbleiben. Die Abgrenzung des Tumors bei der Operation ist dadurch erschwert und es besteht die Gefahr, dass eine kleine „Tumorinsel“ übersehen wird. Um dies zu verhindern muss ein ausreichender Sicherheitsabstand eingehalten werden. Dadurch ist aber die Möglichkeit einer brusterhaltenden Operation nicht mehr gewährleistet.

Schutz der Eierstöcke während der Chemotherapie
Das Ausbleiben der Regelblutung unter Chemotherapie wird dadurch verursacht, dass die verwendeten Zytostatika, neben den Krebszellen, auch in den Eierstöcken heranreifende Follikel mit den darin enthaltenen Eizellen zerstören. Es wird angenommen, dass sogenannte Primordialfollikel, die noch nicht in den Reifungsprozess eingetreten sind, nicht durch die Zytostatika angreifbar sind. Der Eintritt der ruhender Primordialfollikel in den Reifungsprozess kann jedoch mit Hilfe sogenannter "GnRH-Agonisten" (z.B. Zoladex®) für die Dauer der Therapie unterbunden werden. In der Folge sind dann in den Eierstöcken keine reifenden Follikel
vorhanden, die durch die Chemotherapie zerstört werden können.

Mehrere kleine Studien haben bereits gezeigt, dass die Anwendung eines GnRH-Agonisten parallel zur Chemotherapie, der vorzeitigen Zerstörung der Eierstockfunktion effektiv entgegenwirken kann. Die Anwendung dieser Maßnahme, zum Schutz der Eierstöcke, wird in der Praxis sehr unterschiedlich gehandhabt. Während sie in manchen Kliniken schon fast standardmäßig angewendet wird, wird in anderen noch abgewartet bis Ergebnisse aus größeren Studien vorliegen. Eine erste große Studie zur kombinierten Anwendung von GnRH-Agonisten und Chemotherapie wurde vor Kurzem von einem Gremium überwiegend deutscher Brustkrebsspezialisten initiiert.
Umstritten ist dabei die Frage, inwieweit die angestrebten Maßnahmen für Frauen mit östrogenempfindlichen Tumoren geeignet sind. Denn das weibliche Sexualhormon Östrogen, das als Wachstumsmotor für viele Brusttumore gilt, wird in den heranreifenden Follikeln produziert. Eine vorübergehende Ausschaltung der Follikelreifung ist daher für Frauen mit solchen Tumoren auf jeden Fall sinnvoll. Die Frage ist, wie lange diese Ausschaltung erfolgen muss, um einen guten Behandlungserfolg zu erzielen. Deutliche Hinweise darauf gibt die ZEBRA-Studie, bei der die CMF-Chemotherapie gegen die alleinige Anwendung eines GnRH-Agonisten bei Frauen in frühen Brustkrebsstadien getestet wurde. Dabei wurden unter den Frauen, deren Eierstöcke für 2 Jahre mit dem GnRH-Agonisten ruhiggestellt wurden dieselben Behandlungserfolge erzielt, wie bei den Chemotherapiepatientinnen, von denen die meisten anschließend nicht wieder menstruierten.

Falls Sie sich für eine dauerhafte Menopause zu jung fühlen, und Ihre Erkrankung noch nicht so weit fortgeschritten ist, dass eine dauerhafte Unterdrückung der Östrogenproduktion der Eierstöcke notwendig ist, so ist es ratsam sich während der Chemotherapie zusätzlich mit GnRH-Agonisten behandeln zu lassen.
Beachten Sie, dass auch das Herbeiführen von "Wechseljahren auf Zeit" durch den GnRH-Agonisten zu typischen Wechseljahrsbeschwerden, wie z.B. Hitzewallungen führen kann. Auch hier gilt wieder, dass diese Nebenwirkungen bei Ihnen auftreten können, aber nicht müssen. Bei der Entscheidung für oder gegen die Behandlung mit einem GnRH-Agonisten sollten Sie bedenken, dass diese Nebenwirkungen ebenso auftreten können, wenn die Wechseljahre durch die Follikel-schädigende Wirkung der Chemotherapie herbeigeführt werden und die Amenorrhoe in diesem Fall mit großer Wahrscheinlichkeit dauerhaft sein wird.

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