Behandlung vor den Wechseljahren

Die Diagnose Brustkrebs mag Ihnen in jungen Jahren eher ungewöhnlich erscheinen, da die meisten Frauen nach dem 50. Lebensjahr erkranken. Tatsächlich stieg der Anteil junger Patientinnen jedoch gerade in den letzten Jahren deutlich an.
Die Therapie unterscheidet sich in der Operation und Strahlentherapie des Tumorherdes nicht von der bei älteren Patientinnen. Die meist im Anschluss durchgeführte systemische Therapie, mit der vereinzelte Tumorzellen im ganzen Körper behandelt werden sollen, muss bei jungen Patientinnen noch zusätzliche Anforderungen erfüllen. Denn Untersuchungen haben gezeigt, dass die Bedeutung mancher Prognosefaktoren bei jungen Frauen, die Ihre Wechseljahre noch weit vor sich haben, sich von der bei älteren Frauen unterscheidet.
Gerade die Hormonempfindlichkeit des Tumors spielt bei jungen Frauen eine noch bedeutendere Rolle, als bei Frauen nach den Wechseljahren. Werden doch die Tumor-stimulierenden Östrogene, während des Heranreifens der Eizellen, in großer Menge in den Eierstöcken produziert.

Falls Ihr Tumor hormonempfindlich ist, wird es mit großer Wahrscheinlichkeit notwendig sein die Hormonproduktion der Eierstöcke zu unterbinden. Um dies zu Erreichen bestehen mehrere Möglichkeiten:
Durch eine Operation oder eine Bestrahlung der Eierstöcke wird deren Funktion dauerhaft außer Kraft gesetzt. Die medikamentöse Behandlung mit einem GnRH-Agonisten (z.B. Zoladex) ermöglicht es demgegenüber die Eierstöcke vorübergehend, nur für die Dauer der Behandlung, außer Kraft zu setzen. Nach Abschluss dieser Therapie kehrt bei den meisten Frauen innerhalb von ca. 6 Monaten die Regelblutung wieder.

Da Östrogen in geringen Mengen auch außerhalb der Eierstöcke gebildet wird, können zur Verstärkung der Wirkung zusätzlich weitere antihormonelle Medikamente eingesetzt werden. Überwiegend werden dabei Antiöstrogene, wie z.B. Tamoxifen, verwendet. Aromatase-hemmer können ihre Wirkung bei funktionsfähigen Eierstöcken nicht entfalten. Sie werden gegenwärtig in Kombination mit GnRH-Agonisten im Rahmen von klinischen Studien getestet.

Die Chemotherapie stellt bei hormonunempfindlichen Tumoren die Therapie der Wahl dar, denn die Unterdrückung der Hormonwirkung wäre in diesem Fall nicht erfolgversprechend. Bei hormonempfindlichen Tumoren kommt sie demgegenüber insbesondere dann zum Einsatz, wenn bereits Metastasen gebildet wurden und die Notwendigkeit zu einer sehr schnellen Wirkung besteht. Aber auch in der adjuvanten Situation, ohne Metastasen, kann sie angewendet werden.

Auch die Chemotherapie kann die Funktion der Eierstöcke unterbinden. Abhängig von der Therapiedauer und dem Alter der Patientin kann es vorkommen, dass die Eierstöcke nach Therapieende ihre Funktion wieder aufnehmen. Häufig ist der als Nebeneffekt herbeigeführte Eintritt in die Wechseljahre allerdings nicht umkehrbar, da die Eierstöcke durch die Chemotherapie nachhaltig geschädigt werden können.

Unter bestimmten Umständen ist es für Ihre Genesung nicht notwendig, dass die Östrogenproduktion ihrer Eierstöcke dauerhaft unterbunden wird. Schließlich erfüllt Östrogen wichtige Aufgaben im Körper. Vielleicht fühlen Sie sich zu jung um dauerhaft in den Wechseljahren zu bleiben oder sie erwägen sogar nach Ihrer Behandlung noch Kinder zu bekommen. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt Ihre individuelle Risikosituation. Grundsätzlich scheint es möglich zu sein die Eierstöcke vor den Auswirkungen der Chemotherapie zu schützen, indem zusätzlich GnRH-Analoga verwendet werden. Vor Kurzem wurde eine große klinische Studie initiiert, die dies untersuchen soll, nachdem bereits mehrere kleine Studien deutliche Hinweise darauf geliefert haben. Lesen Sie mehr dazu in den Kapiteln „Chemotherapie“ und „GnRH-Analoga“.

Alle Methoden führen auf künstliche Weise Ihre Wechseljahre herbei und können deshalb mit typischen Wechseljahrsbeschwerden, wie z.B. Hitzewallungen einhergehen.

 

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