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Was geschieht in den Eierstöcken?
Primordialfollikel sind schon vor der
Geburt angelegt.
Die Eierstöcke gehören zu den weiblichen Geschlechtsorganen. Sie sind nur etwa drei Zentimeter groß und befinden sich links und rechts der Gebärmutter. Bereits vor der Geburt eines Mädchens haben sich in dessen Eierstöcken, die auch Ovarien genannt werden, eine Vielzahl von Eizellen gebildet. Bei der Geburt beträgt der Vorrat an Eizellen etwas mehr als eine Million und nimmt von da an ständig ab. Jede Eizelle ist von einem Follikel umgeben, der sie weitgehend vor Einflüssen von außen schützt und so ermöglicht, dass die Eizellen Jahrzehnte überdauern können. Follikel in einer frühen Entwicklungsphase werden auch Primordialfollikel genannt

Ständig entwickeln sich mehrere
Follikel gleichzeitig in spätere Entwicklungsstadien
Zu Beginn der Pubertät enthalten die Eierstöckke noch etwa 400. 000 Primordialfollikel.
Nun beginnt
die etwa 30 Jahre andauernde fruchtbare Phase der Frau. Während dieser Zeit treten täglich etwa 20 ruhende Primordialfollikel in die Wachstumsphase ein, von denen allerdings meist nur eines pro Monat zum Eisprung kommt.
Der Eintritt der Primordialfollikel in die Wachstumsphase wird, ab dem Beginn der Pubertät, vom hormonellen Steuerungszentrum des Gehirns, dem Hypothalamus, gelenkt. Der Hypothalamus schüttet in regelmäßigen Abständen das Hormon GnRH aus. Dieses Hormon wirkt auf die Hirnanhangdrüse ein, die unterhalb des Hypothalamus sitzt. Unter dem Einfluss des GnRH produziert die Hirnanhangdrüse weitere Hormone, die daraufhin ins Blut abgegeben werden und damit im ganzen Körper zur Verfügung stehen. Eines dieser Hormone ist das Follikel-stimulierende Hormon (FSH), das nun in den Eierstöcken einige Follikel zum Wachstum anregt. Durch eine Zunahme der Follikelzellen wächst das Follikel zu einer Größe von bis zu 0,2 mm heran und die enthaltene Eizelle erreicht ihre endgültige Größe von etwa 0,1 mm. In diesem Entwicklungsstadium wird das Follikel Sekundärfollikel genannt.
Tertiärfollikel produzieren Östrogen.
In der weiteren Entwicklung wachsen die Follikel zu Tertiärfollikeln heran. Dies sind reife Bläschenfollikel, in denen sich eine Höhle gebildet hat, die mit Follikelflüssigkeit gefüllt ist. Durch seine Größe von etwa einem Zentimeter verdängt das Tertiärfollikel andere Stukturen innerhalb des Eierstocks. Eine wesentliche Bedeutung der Tertiärfollikels besteht darin, dass sie selbst das Hormon Östrogen produzieren, das sowohl ins Innere des Follikels, als auch in die Blutbahnen abgegeben wird. Östrogen erfüllt im Körper einige über das Fortpflanzungssystem hinausgehende, wichtige Aufgaben. Es hat beispielsweise einen positiven Einfluss auf die Knochenstruktur und das Herz-Kreislauf-System. Nachteilig wirkt sich das Hormon allerdings auf das Tumorwachstum von Brustkrebspatientinnen mit hormonsensiblen Tumoren aus.
Nur eines der Tertiärfollikel kommt zur Ovulation
Im Laufe der weiteren Entwicklung wird schließlich ein Tertiärfollikel so dominant, dass die anderen absterben. Unter dem Einfluss der Hormone aus der Hirnanhangdrüse wird der Druck im Inneren des sprunghaften Follikels so groß, dass dieser schließlich aufplatzt und die enthaltene Follikelflüssigkeit die Eizelle in den Eileiter spült. Danach ist für etwa 12 Stunden die Befruchtung der Eizelle möglich.
Das geplatze Follikel produziert nun das Hormon Progesteron
Bei der Ovulation bleibt der Follikelkörper im Eierstock zurück und wandelt sich in den sogenannten Gelbkörper um. Dieser Gelbkörper produziert das Hormon Progesteron, das die Gebärmutterschleimhaut auf eine mögliche Schwangerschaft vorbereitet.
Auswirkungen der Chemotherapie auf die Eizellen
Einige Brustkrebspatientinnen erhalten zur Behandlung ihrer Erkrankung eine Chemotherapie. Bei vielen Frauen bleibt unter der Chemotherapie die monatliche Regelblutung aus und es kommt zu künstlich herbeigeführten Wechseljahren, denn die zytotoxische Wirkung der Chemotherapie wirkt sich auch auf die heranwachsenden Follikel in den Eierstöcken aus. Zerstörte Follikel werden sofort durch zusätzliche Primordialfollikel ersetzt, die in die Wachstumsphase eintreten, so dass weit mehr als 20 Follikel pro Tag verbraucht werden. Allerdings werden die zusätzlichen Follikel auch gleich wieder zerstört.
Dadurch kann der Follikelverbrauch so stark ansteigen, dass der Vorrat an Eizellen am Ende der Chemotherapie fast aufgebrauch, und damit kein normaler Monatszyklus mehr möglich ist.
Bei sehr jungen Frauen
besteht die Möglichkeit, dass zu diesem Zeitpunkt noch genügend Eizellen vorhanden sind, um den Menstruationszyklus noch für einige Jahre aufrecht zu erhalten. Sie müssen aber damit rechnen früher in die Wechseljahre zu kommen als üblich.
Bei hormonsensiblen Tumoren ist es im Grunde vorteilhaft, wenn die Hormonproduktion der heranreifenden Follikel eingestellt wird, und genau dies geschieht ja durch die Zerstörung der Follikel. Viele Studien haben bereits nachgewiesen, dass Brustkrebspatientinnen, die unter der Chemotherapie in die Wechseljahre kommen, eine bessere Heilungschance haben, als wenn dies nicht geschieht. Leider wird dieser Vorteil mit einigen Nachteilen erkauft. Das Fehlen des Hormons Östrogen wirkt sich negativ auf die Knochen und das Herz-Kreislauf-System aus. Typische Wechseljahrsbeschwerden, wie zum Beispiel Hitzewallungen, die durch den Östrogenentzug entstehen, bleiben bestehen. Junge Frauen fühlen sich dadurch häufig vorzeitig gealtert, und die Möglichkeit schwanger zu werden ist für immer verloren.
Schutz der Eizellen vor der Chemotherapie
Das Wachstum der Follikel wird wesentlich durch die gonadotrophen Hormone LH und FSH aus der Hirnanhangdrüse gesteuert, deren Bildung von einem weiteren Hormon, dem GnRH, abhängig ist. Wenn in der Hirnanhangdrüse keine LH und kein FSH mehr gebildet wird, verharren die Follikel in einem frühen Entwicklungsstadium und die Follikelzellen teilen sich nicht. Da die Chemotherapie lediglich Zellen bei Ihrer Teilung angreift, sind solche, in der Entwicklung stehengebliebene Follikel, folglich vor der Wirkung der Chemotherapie geschützt.
Eine solche "Ruhigstellung der Eierstöcke" kann mit einem GnRH-Antagonisten erreicht werden. Ein GnRH-Antagonist ist ein Medikament, das in der Hirnanhangdrüse mit dem natürlichen Hormon GnRH konkurriert und dadurch die Bildung von LH und FSH verhindert.
Solche Medikamente werden bei jungen Frauen seit langem zur Behandlung von Brustkrebs eingesetzt. Das eigentliche Ziel dabei ist, die für hormonempfindliche Tumoren schädliche Produktion von Östrogen durch die Tertiärfollikel zu verhindern. Dabei erfolgt die Ruhigstellung der Eierstöcke nur etwa so lange, wie das Medikament angewandt wird.
In den letzen Jahren wurde in mehreren kleinen Studien bei Patientinnen mit verschiedenen Krebserkrankungen untersucht, ob GnRH-Antagonisten, wenn sie gleichzeitig mit einer Chemotherapie verabreicht werden, tatsächlich in der Lage sind die vorzeitigen Wechseljahre zu verhindern. Mit gutem Erfolg: Rund 90 Prozent der Patientinnen, die den GnRH-Antagonisten zur Chemotherapie erhalten haben, hatten anschließend normale Regelblutungen und es kam sogar bei einigen zu normal verlaufenden Schwangerschaften.
Chemotherapien führen hingegen je nach Therapieregime bei ca. 30- 60% der Frauen zu vorzeitigen Wechseljahren.
Nebenwirkungen
GnRH-Antagonisten werden seit 1990 in Deutschland zur Behandlung des Mammakarzinoms bei Frauen vor der Menopause eingesetzt. Seitdem wurden mehrere Zehntausend Frauen damit behandelt.
Nebenwirkungen, wie sie von chemotherapeutischen Behandlungen bekannt sind, z.B. Übelkeit, Erbrechen und Haarausfall brauchen Sie bei der Behandlung mit einem GnRH-Antagonisten nicht zu befürchten. Durch die Hemmung der Östrogen-Produktion bleibt ein bis zwei Monate nach Beginn der Therapie normalerweise die Regelblutung aus. Wechseljahre und Menopause werden also künstlich herbeigeführt. Dementsprechend sind die Nebenwirkungen, die während einer GnRH-Antagonisten-Therapie auftreten können, typische „Wechseljahrsbeschwerden“, wie beispielsweise Hitzewallungen und Schweißausbrüche.
Solche Nebenwirkungen müssen aber bei Ihnen nicht auftreten, genauso wie viele Frauen keinerlei Wechseljahrsbeschwerden haben, wenn ihr Körper auf natürlichem Weg die Östrogenproduktion einstellt. Wenn nach Beendigung der GnRH-Therapie die Eierstöcke ihre Funktion wieder aufnehmen verschwinden solche Nebenwirkungen ohnehin wieder.
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