Krebs „vermeidbarer“ als viele denken

Anfang 2007 fand das diesjährige Umweltmedizinische Forum der Ärztekammer des Saarlandes mit dem Thema „Krebs und Umwelt“ statt. Die anwesenden Experten wiesen darauf hin, dass statistisch gesehen durch eine gesunde Lebensweise zwei Drittel aller bösartigen Tumorerkrankungen vermieden werden könnten.

Prof. Axel Buchter, Leiter des Instituts für Arbeitsmedizin an der Universität des Saarlandes hatte zum Forum eingeladen, auf dem Fachvertreter aus unterschiedlichsten klinischen und wissenschaftlichen Bereichen zur Umweltbedingtheit von einzelnen Tumorerkrankungen sprachen. So sprach u.a. Prof. Werner Schmidt/Gynäkologie Homburg darüber, welche Umweltfaktoren bei Brustkrebs als Auslöser in Betracht kommen und Prof. Buchter selbst stellte eine 10-Punkte-Liste der gesunden Lebensweise vor, durch dessen Einhaltung viele Krebserkrankungen vermieden werden können.

Schwerpunkte der umweltbedingten Krebserkrankungen

Es wird geschätzt, dass zirka 60 bis 80 Prozent aller Tumore im weitesten Sinne umweltbedingt sind und damit theoretisch vermeidbar wären. Schätzungen aus den Jahren 1981 und 1996 (siehe Tabelle) stimmen in der Bewertung überein, dass weltweit allein der Zigarettenkonsum und eine ungesunde Ernährung für je 30 Prozent aller Tumorerkrankungen verantwortlich gemacht werden können.

Geschätzter Anteil der Risikofaktoren

an Krebstodesfällen in den USA

(Harvard Report on Cancer Prevention 1996)

Risikofaktor/en

Anteil (in %)

Zigarettenkonsum

30%

Ernährung/Übergewicht

30%

Sitzender Lebensstil

05%

arbeitsbedingt

05%

Familiäre Disposition

05%

Infektionen

05%

Perinatale Faktoren

05%

Reproduktionsvorgeschichte

03%

Alkohol

03%

Sozioökonomischer Status

03%

Umweltschadstoffe

02%

Ion. & UV-Strahlung

02%

Verschreibungspflichtige Medikamente

01%

Salz/Lebensmittelzusätze

01%<

Eine statistisch untergeordnete Rolle spielen dagegen mit 2 Prozent die Krebstodesfälle durch Umweltschadstoffe im engeren Sinne. Die wichtigsten Krebs erregenden Luftschadstoffe sind Dieselrußpartikel, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe und Benzol. Der Haupteintrag dieser Schadstoffe findet über den Straßenverkehr statt. Da die Feinstäube darunter immer mehr zunehmen, muss möglicherweise mit einem weiteren Anstieg der Krebshäufigkeit, insbesondere im Bereich der Atemwege, gerechnet werden.

Welche Umweltfaktoren begünstigen Brustkrebs?

Die Häufigkeit von Brustkrebs hat in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen, in den westlichen Ländern ist Brustkrebs die häufigste Krebsart bei Frauen. Das Erkrankungsrisiko beträgt in Deutschland 9 bis 10 Prozent. Deshalb müssen Umweltfaktoren als Auslöser in Betracht gezogen werden. Neben hormonellen Einflüssen spielen verschiedene Umweltfaktoren eine wesentliche Rolle. So gibt es eine Reihe von Hinweisen, dass Brustkrebs gehäuft auftritt bei erhöhter Kalorienzufuhr sowie übermäßigem Alkoholkonsum.

Besonders der Ernährung während der Jugend kommt eine große Bedeutung zu, da das Fettgewebe der Brustdrüse schnell wächst. Pestizide können teilweise den Östrogenrezeptor aktivieren und auf diese Art und Weise das Brustkrebsrisiko erhöhen. In diesem Zusammenhang wird die Belastung der natürlichen Umwelt durch Östrogene diskutiert, angegebene Östrogenquellen sind Soja, Molkereiprodukte, Rückstände von Kontrazeptiva im Abwasser und östrogenähnliche Schadstoffe. Östrogene schädigen nicht direkt die Erbanlagen, erhöhen jedoch aufgrund ihrer wachstumsfördernden Wirkung die Wahrscheinlichkeit, dass ein genetischer Schaden nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.

Auch radioaktive Strahlung erhöht das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Dies lässt sich eindrucksvoll bei Überlebenden der Atombombenabwürfe von Hiroshima und Nagasaki als auch bei Frauen, bei denen häufig Röntgenuntersuchungen durchgeführt wurden, feststellen. Elektromagnetische Felder und Nachtlicht scheinen einen schützenden Effekt vor Brustkrebs auszuüben, da eine Erhöhung der natürlichen Antioxidantien in Brustkrebszellen beobachtet wurde.

Hormonersatztherapie: nur, wenn nötig und so kurz wie möglich

Die Rolle der Hormonersatztherapie bei Frauen in oder nach den Wechseljahren hat sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Nach heutiger Meinung ergibt sich, dass die langjährige Hormonersatztherapie zur Vorbeugung von Herzgefäß-Erkrankungen nicht geeignet ist und das Risiko, an einem Brustkrebs zu erkranken, deutlich erhöht ist.

Somit ist eine Dauerbehandlung mit Hormonen bei diesen Frauen nicht mehr vertretbar. Eine Hormonersatztherapie ist nur bei Beschwerden mit deutlichem Leidensdruck angezeigt. Bei möglichst niedrig gewählter Östrogendosis sollte die Hormonersatztherapie so kurz wie möglich zur Anwendung kommen und jährlich überprüft werden. Bei Wechseljahresbeschwerden können alternative Behandlungsmöglichkeiten wie pflanzliche Präparate in Erwägung gezogen werden. Dies gilt vor allem für Frauen, die bereits an Brustkrebs erkrankt sind und unter Wechseljahrbeschwerden leiden.

10-Punkte-Checkliste um Krebs vorzubeugen

Prof. Dr. Axel Buchter fasste am Ende des Forums zusammen, dass durch Zigarettenkonsum, falsche Ernährung und unseren heutigen ungesunden Lebensstil zirka zwei Drittel aller bösartigen Tumore mitverursacht werden. Deshalb seien viele Krebserkrankungen vermeidbar, wenn konsequent ein gesunder Lebensstil praktiziert werden würde. Die Experten schätzen, dass man mit intensiven Maßnahmen der Krebsvorbeugung mittelfristig eine Senkung der Krebssterblichkeit um etwa ein Drittel erreichen kann.

Ein gesunder Lebensstil lässt sich in 10-Punkten zusammenfassen:

  1. Vermeidung von Tabakrauchen.
  2. Optimierung der Ernährungsgewohnheiten, höherer Verzehr von Früchten und Gemüse, geringer Konsum von tierischen Fetten und dunklem/rotem Fleisch (Rind, Schwein, Hammel).
  3. Vermeidung von Übergewicht.
  4. Körperliche Bewegung.
  5. Vermeidung übermäßigen Alkoholkonsums.
  6. Vermeidung exzessiver Sonnenbestrahlung, jedoch ausreichende Sonnenbestrahlung zur Vitamin D-Produktion.
  7. Impfprogramme gegen entsprechende Viren (zurzeit HBV und HPV)
  8. Weitere Verringerung der Schadstoffbelastung der Umwelt.
  9. Weitere Verringerung der Schadstoffexposition am Arbeitsplatz.
  10. Teilnahme an regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen hinsichtlich Krebserkrankungen der Brust, der Gebärmutter, des Darms, der Haut und der Prostata.

Kurzfassungen aller Vorträge des Forums „Krebs und Umwelt“ finden Sie unter www.uniklinikum-saarland.de/arbeitsmedizin im Abschnitt „Veranstaltungen“, dort unter „Vorträge Krebs und Umwelt 20.01.2007“.

Quelle:
Umweltmedizinisches Forum der Ärztekammer des Saarlandes „Krebs und Umwelt: Ursachen und Prävention“ am 20.01.2007 im Haus der Ärzte, Saarbrücken
www.uniklinikum-saarland.de/arbeitsmedizin



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